Förderungbescheid über 5 Millionen Euro für das Klärwerk Steinhof
Spurenstoffe sollen durch innovatives neues Verfahren aus Abwasser gefiltert werden
Das vergangene Jahr hielt kurz vor Schluss noch erfreuliche Nachrichten für den Abwasserverband Braunschweig mit Sitz in Wendeburg bereit. Rechtzeitig kurz vor Weihnachten erreichte das Unternehmen ein positiver Bescheid: Aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Niedersachsen „Programmgebiet Stärker entwickelte Region (SER)“ wurde eine Zuwendung in Höhe von 5 Millionen Euro bewilligt.
Die Förderung ist gebunden an ein enormes Bau- und Investitionsprogramm, das im Klärwerk Steinhof geplant ist.
Der Verband reagiert damit auf zukünftig steigende Anforderungen der EU in Hinblick auf die Reinigungsleistung von bestimmten kommunalen Kläranlagen. Konkret geht es um die Integration einer 4. Reinigungsstufe im Klärwerk zur Verringerung von anthropogenen Spurenstoffen. Dabei handelt es sich im Mikroverunreinigungen in sehr geringen Konzentrationen, zum Beispiel Arzneimittelrückstände und Mikroplastik.
In vorangegangenen Studien und Forschungsprojekten wurde der Frage nach möglichen Verfahren nachgegangen. Dabei durften die Besonderheiten der Braunschweiger Abwasserreinigung mit den Rieselfeldern sowie landwirtschaftlicher Verregnung und den sich daraus ergebenden Anforderungen nicht aus dem Fokus geraten. Als Ergebnis der umfangreichen Untersuchungen kristallisierte sich die Elimination von Spurenstoffen aus dem Abwasserstrom mittels Aktivkohle heraus.
Dazu werden zwei verschiedene Varianten umgesetzt. In einer Variante wird dem Reinigungsprozess in einem Kontaktbecken der Kläranlage Aktivkohle in Pulverform zugegeben. Eine nachgeschaltete Membran filtert die Kohle mit den angelagerten Spurenstoffen schließlich wieder heraus. Hierbei handelt es sich um ein etabliertes Verfahren im Bereich der Abwasserbehandlung. Bei der Umrüstung eines Teils der Bestandsrieselfelder zu einem mit Aktivkohle ertüchtigten bewachsenen Bodenfilter handelt es sich um eine neue innovative Variante. Hier wird darauf gesetzt, dass durch die Kombination unterschiedlicher Reinigungsprozesse in dem Filter wesentlich weniger Rohstoffe verbraucht und wesentlich weniger Abfall erzeugt wird. Für beide Verfahren kann ein Wirkungsgrad von > 85% angesetzt werden.
Aktuell werden die Maßnahmen planerisch vorbereitet, so dass sie ausgeschrieben werden können. Dabei muss berücksichtigt werden, dass der vorgesehene Umbau in den laufenden Betrieb eingreift. Da das Abwasser ständig anfällt und entsorgt werden muss, ist dies eine besondere Herausforderung.
Mit der Integration einer 4. Reinigungsstufe in dieser Form geht der Verband einen innovativen neuen Weg, den es so noch nicht in Niedersachsen und Deutschland gibt. Bislang gibt es nur eine vergleichbare Anlage mit dem Klärwerk Kaast in Nordrhein-Westfalen. Allerdings existieren dort weder Rieselfelder noch eine landwirtschaftliche Wiederverwendung.
„Dieses Projekt zur Spurenstoffelimination ist weit mehr als nur ein technisches Vorhaben. Es ist ein nachhaltiger Beitrag zum Schutz der Umwelt und zur Förderung von ökologischer Vielfalt und Lebensqualität. Als Abwasserverband Braunschweig möchten wir diesen wichtigen Schritt in Richtung nachhaltiger Entwicklung gehen und die positiven Auswirkungen für unsere Region maximieren“, erklärt Peter Edelmann, Verbandsvorsteher.
Derzeit wird das Abwasser aus der Stadt Braunschweig und einiger Gemeinden des Wasserverbandes Gifhorn im Klärwerk Steinhof in 3 Stufen gereinigt. Zuerst erfolgt die mechanische, danach die biologische Reinigung. Die dritte Stufe findet entweder in der Verregnung oder in den Rieselfeldern durch Pflanzen und die im Boden enthaltenen Mikroorganismen statt. Die landwirtschaftliche Verregnung erfordert gemäß EU-Verordnung bereits jetzt die Hygienisierung des Wassers zur Wiederverwendung. Nach diesem weltweit einzigartigen „Braunschweiger Modell“ werden jährlich ca. 20 Mio. m³ Abwasser gereinigt.



